“Freiheit und Disziplin” – Weg der Erziehung


In der Montessori P√§dagogik folgt der Weg der Erziehung dem Weg der Entwicklung. Da jede menschliche Entwicklung von Einzigartigkeit gepr√§gt ist, m√ľssen alle Erziehungsma√ünahmen auch unter dem Aspekt der Individualit√§t gesehen werden. Erziehung als Entwicklungshilfe mu√ü von Mensch zu Mensch neu reflektiert und von Kind zu Kind verschieden gestaltet werden. Die Erziehungsbem√ľhungen des Erwachsenen streben ein gemeinsames Ziel an, n√§mlich die Erlangung von Selbst√§ndigkeit und Freiheit des Individuums.

Das Prinzip der Freiheit darf aber auf keinen Fall mit einem “Sich√ľberlassen” und “Allesgew√§hren” verwechselt werden. Das Kind zur Freiheit zu verhelfen bedeutet nicht, es einfach freizulassen, damit es tun und machen kann, was es will. “Die Freiheit unserer Kinder hat als Grenze die Gemeinschaft, denn Freiheit bedeutet nicht, da√ü man tut, was man will, sondern Meister seiner selbst zu sein.” (Montessori, Grundlagen meiner P√§dagogik 1968)

Im Erziehungsalltag kann die Erlangung von Freiheit nur hinsichtlich der Einhaltung bestimmter Grenzen stattfinden. Montessori weist ausdr√ľcklich darauf hin, da√ü das Freiheitsbestreben des Menschen folgende Notwendigkeiten nicht ausschlie√üt: Disziplin, Kulturvermittlung und erziehende Mitmenschen. Der Unterschied zwischen ihrer auf Selbstbestimmung basierenden Erziehungsmethode und anderen Konzeptionen besteht darin, “… da√ü in dieser Freiheit die Kinder voll Freude arbeiten und sich die Kultur durch eigene Aktivit√§t erwerben, da√ü die Disziplin aus dem Kind selbst entsteht” (Montessori, Grundlagen meiner P√§dagogik 1968).

Oftmals wurde von Beobachtern die friedvolle Atmosph√§re der Kinder in den ‚ÄöCase dei Bambini’ vermerkt. Es galt als Wunder, wie ruhig sich so viele kleine Kinder auf engstem Raum besch√§ftigten und wie diszipliniert sie sich dabei verhielten. Maria Montessori erstaunte dieses Ph√§nomen nur anfangs, denn bald erkannte sie, da√ü sich durch ein Gew√§hren von Freiheit unter Ber√ľcksichtigung gewisser Grenzen, wie von selbst Disziplin einstellte.

Das Recht des Kindes auf ein Eigenleben in Freiheit und Selbstbestimmung gilt als Fundament der Montessori-P√§dagogik, aus dem sich alle Ma√ünahmen p√§dagogischen Handelns ableiten. Hat der Mensch die Chance, sich nach seinen eigenen Gesetzen entwickeln zu d√ľrfen, so trachtet er von sich aus danach, immer selbst√§ndiger und freier zu werden, was global betrachtet eine ver√§nderte Menschheit in einer humaneren Welt zur Folge haben wird.